Wiesenschnake (Tipula paludosa)
Wiesenschnake (Tipula paludosa)
Wiesenschnake / Sumpfschnake – heimlicher Wiesenbewohner mit großem Appetit
Wiesenschnake (Tipula paludosa): Wie der unscheinbare Wiesenbewohner lebt, was ihn zum Rasenschädling macht und warum du ihn trotzdem nicht fürchten musst.
Eckdaten
- Die Wiesenschnake ist ein harmloses Insekt, das Menschen nicht sticht.
- Ihre Larven („Leatherjackets“) fressen Graswurzeln und können große Rasenschäden anrichten.
- Erwachsene Tiere leben nur wenige Tage im Spätsommer.
- Die Art ist in Europa heimisch und auch in Nordamerika etabliert.
- Wissenschaftlicher Name: Tipula paludosa
- Größe: 16–30 mm (Weibchen meist größer)
- Ernährung: Wasser und Nektar (Adulte), Wurzeln krautiger Pflanzen (Larven)
- Vorkommen: West- und Mitteleuropa, Nordamerika
- Lebenszyklus: 1 Jahr – mit vier Larvenstadien
- Besonderheit: Larven gelten als bedeutende Rasenschädlinge
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Aussehen und Merkmale
- Nahrung und Lebensweise
- Fortpflanzung und Entwicklungszyklus
- Jahreszeitliches Verhalten
- Vorkommen und Lebensraum
- Wiesenschnaken und der Mensch
- FAQ
Einführung
Sie sieht aus wie eine übergroße Mücke, taumelt durch spätsommerliche Gärten und sorgt für Irritation. Doch keine Sorge – die Wiesenschnake ist kein Blutsauger. Ihr kurzes Leben dreht sich ausschließlich um Fortpflanzung. Spannender wird es unter der Erde: Dort entwickeln sich ihre Larven zu gefräßigen Wurzelfressern. Was zart erscheint, kann im Rasen große Schäden verursachen. Zeit, die Wiesenschnake kennenzulernen – mit einem Blick unter die Grasnarbe.
Aussehen und Merkmale
Die Wiesenschnake gehört zur Familie der Schnaken (Tipulidae) und erinnert äußerlich an eine Mücke – ist jedoch deutlich größer.
- Der Körper ist schlank, bräunlich-grau und langgestreckt.
- Die Flügel sind klar oder leicht getönt, ohne Muster.
- Auffällig: die langen, dünnen Beine, die bei Berührung leicht abbrechen.
- Der Kopf wirkt groß, mit Fühlern aus 14 Segmenten.
Die Larven („Leatherjackets“) sind beinlos, graubraun, bis 4 cm lang und haben eine ledrige Haut – perfekt angepasst für das Leben im Boden. Erkennbar an: Weibchen haben einen verlängerten Hinterleib zur Eiablage. Die Flügel reichen oft nicht bis zum Körperende.
Nahrung und Lebensweise
Adulte Schnaken sind genügsam – sie nehmen lediglich Wasser oder Nektar auf. Eine nennenswerte Nahrungssuche findet nicht statt, da sie nur wenige Tage leben.
Anders die Larven:
Sie fressen im Boden Graswurzeln und zarte Stängel. Ihr Fraß bleibt lange unsichtbar – bis sich im Frühling kahle Stellen im Rasen zeigen oder Grasnarben locker werden.
Wichtig: Nur die Larven verursachen Pflanzenschäden – die adulten Tiere sind harmlos und stechen nicht.
Fortpflanzung und Entwicklungszyklus
Im Spätsommer schlüpfen die adulten Wiesenschnaken mit einem Ziel: Fortpflanzung.
- Die Paarung erfolgt kurz nach dem Schlupf.
- Weibchen legen mehrere hundert Eier in feuchte Böden.
- Nach etwa 1–2 Wochen schlüpfen die Larven.
- Diese durchlaufen vier Larvenstadien, die sie im Boden verbringen.
- Im dritten Larvenstadium überwintern sie.
- Im späten Frühjahr erfolgt die Verpuppung, im Sommer der Schlupf der neuen Generation.
- Der Lebenszyklus ist einjährig (univoltin) – nur eine Generation pro Jahr.
Jahreszeitliches Verhalten
- Spätsommer (August–Oktober): Adulte Tiere schlüpfen, paaren sich, Eiablage beginnt.
- Herbst–Frühjahr: Larven fressen im Boden, Überwinterung im 3. Larvenstadium.
- Frühling: Larven besonders fraßaktiv, Verpuppung ab Mai/Juni.
- Sommer: Ruhephase der Puppen im Boden, Schlupf ab August.
- Frühjahrsschäden: Typische Rasenschäden durch intensive Larvenaktivität – kahle, braune Flächen und lockerer Rasen.
Vorkommen und Lebensraum
Die Wiesenschnake stammt aus West- und Mitteleuropa, ist aber durch Einschleppung auch in Nordamerika etabliert. Bevorzugte Lebensräume:
- Feuchte Wiesen
- Weiden und Gärten
- Grünland mit durchlässigen Böden Hohe Bodenfeuchte fördert die Entwicklung der Larven – Staunässe wird gemieden.
Wiesenschnaken und der Mensch
Adulte Wiesenschnaken sind für den Menschen:
- nicht gefährlich,
- stechen nicht,
- übertragen keine Krankheiten. Problematisch ist nur das Larvenstadium. Bei starkem Befall schädigen sie Rasenflächen und Weiden. Feuchte Sommer begünstigen Massenentwicklungen.
- Ein Gleichgewicht ist meist gegeben – durch natürliche Feinde wie Vögel oder Igel. Bei starkem Befall helfen biologische Maßnahmen wie Nematoden oder Bodenpflege.
FAQ
1. Stechen Wiesenschnaken?
Nein – sie haben keinen Stechrüssel und sind vollkommen harmlos.
2. Wie erkenne ich Larven im Boden?
Lockere Grasnarbe, kahle Stellen und sichtbare Larven (beinlos, grau, bis 4 cm lang).
3. Wann treten Schäden auf?
Vor allem im Frühjahr – wenn die Larven besonders aktiv fressen.
4. Muss ich bekämpfen?
Nur bei starkem Befall – ideal sind biologische Methoden wie Nematoden.
5. Warum fliegen Schnaken abends ins Haus?
Sie orientieren sich am Licht – ähnlich wie Motten.
