Rote Gartenameise (Myrmica rubra)

Makroaufnahme einer Roten Gartenameise mit rötlich-braunem Körper, die über ein grünes Blatt läuft; feine Blattstruktur im Hintergrund sichtbar.

Rote Gartenameise (Myrmica rubra)

Rote Gartenameise – Lebensweise, Merkmale & Verhalten

Die Rote Gartenameise (Myrmica rubra): Merkmale, Koloniestruktur, Nahrung, Fortpflanzung und warum sie in Gärten häufig anzutreffen ist.

Eckdaten

  • Größe: Arbeiterinnen 4–6 mm, Königinnen bis 7,5 mm
  • Färbung: rötlich‑braun mit dunklerem Kopf
  • Nahrung: Allesfresser – Honigtau, Nektar, Insekten, Aas
  • Nestbau: Boden, Steine, Holz, Moos – bevorzugt feucht
  • Koloniestruktur: häufig mehrere Königinnen
  • Besonderheit: besitzt einen Giftstachel
  • Wissenschaftlicher Name: Myrmica rubra
  • Deutscher Name: Rote Gartenameise
  • Familie: Formicidae (Ameisen)
  • Unterfamilie: Myrmicinae (Knotenameisen)
  • Lebensweise: sozial, staatenbildend
  • Verbreitung: Europa bis Westsibirien, eingeschleppt auch außerhalb Europas

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Kaum eine Ameisenart ist in Mitteleuropa so präsent wie die Rote Gartenameise. Ob im Garten, am Waldrand oder auf feuchten Wiesen – Myrmica rubra gehört zu den häufigsten Ameisenarten überhaupt. Gleichzeitig ist sie eine der wenigen heimischen Arten, die aktiv stechen können, was ihr einen gewissen Ruf eingebracht hat.

Doch hinter dem kleinen, rötlichen Insekt steckt ein hochorganisierter Sozialstaat mit komplexen Strukturen. Die Rote Gartenameise ist nicht nur eine erfolgreiche Nahrungssammlerin, sondern auch ein wichtiger Bestandteil vieler Ökosysteme. In diesem Artikel erfährst Du, wie sie lebt, warum sie so anpassungsfähig ist und wie Du ihr im Alltag begegnest.

Aussehen

Die Rote Gartenameise besitzt einen schlanken, beweglichen Körperbau, der typisch für die Knotenameisen ist. Auffällig ist der zweigliedrige Hüftstiel zwischen Brustteil und Hinterleib – ein klares Bestimmungsmerkmal der Gattung Myrmica.

Die Arbeiterinnen sind überwiegend rötlich‑braun gefärbt. Der Kopf wirkt meist etwas dunkler als der restliche Körper, während der Hinterleib häufig leicht glänzt. Die Beine und Fühler sind heller gefärbt und gut beweglich.

Die Antennen bestehen aus 12 Segmenten und enden in einer viergliedrigen Keule, die beim Tasten und Orientieren eine wichtige Rolle spielt.

Königinnen sind deutlich kräftiger gebaut und etwas größer als Arbeiterinnen. Männchen sind meist dunkler, schlanker und tragen während der Schwarmzeit Flügel.

Typische Merkmale

Die Rote Gartenameise lässt sich anhand mehrerer Eigenschaften sicher einordnen:

  • Zweigliedriger Hüftstiel, typisch für Knotenameisen
  • Rötlich‑braune Grundfärbung
  • Polygynie: mehrere Königinnen in einer Kolonie möglich
  • Große Kolonien mit mehreren hundert bis tausend Arbeiterinnen
  • Nestbau bevorzugt an feuchten, halbschattigen Standorten
  • Vorhandener Giftstachel bei Arbeiterinnen und Königinnen

In Ausnahmefällen können Kolonien extrem groß werden und über 20.000 Arbeiterinnen sowie mehrere hundert Königinnen umfassen.

Nahrung

Die Rote Gartenameise ist omnivor und sehr flexibel in ihrer Ernährung. Diese Vielseitigkeit trägt entscheidend zu ihrem Erfolg bei.

Hauptnahrungsquellen

  • Honigtau von Blattläusen und Schildläusen
  • Nektar und Pflanzensäfte
  • Aas und tote Insekten
  • Aktiv erbeutete Wirbellose, darunter kleine Insekten

Besonders wichtig ist die Trophobiose mit Blattläusen: Die Ameisen „pflegen“ die Läuse, schützen sie vor Feinden und melken ihren zuckerreichen Honigtau. Dadurch sichern sie sich eine konstant verfügbare Energiequelle.

Durch diese Strategie ist Myrmica rubra oft konkurrenzstärker als andere Ameisenarten.

Fortpflanzung und Entwicklungszyklus

Die Fortpflanzung folgt einem klaren saisonalen Rhythmus.

Schwarmflüge

Die Geschlechtstiere – Männchen und Jungköniginnen – verlassen das Nest meist Ende August bis September zu den Schwarmflügen. In der Luft oder am Boden kommt es zur Paarung.

Nach der Begattung:

  • verlieren die Königinnen ihre Flügel,
  • überwintern entweder im Nest oder außerhalb,
  • gründen im folgenden Frühjahr neue Kolonien.

Polygynie als Erfolgsmodell

Häufig verbleiben mehrere Königinnen in einem bestehenden Nest. Diese sekundäre Polygynie ermöglicht ein schnelles Wachstum und erhöht die Überlebenschancen der Kolonie.

Jahreszeitliches Verhalten

Die Aktivität der Roten Gartenameise ist stark temperatur‑ und feuchtigkeitsabhängig.

  • Frühjahr: zunehmende Aktivität, Ausbau der Nester
  • Sommer: intensive Nahrungssuche, Brutpflege, Koloniewachstum
  • Spätsommer: Schwarmflüge
  • Herbst: Rückgang der Aktivität
  • Winter: Ruhephase im Nest

Zu trockene Bedingungen können das Wachstum der Kolonie deutlich hemmen, weshalb feuchte Standorte bevorzugt werden.

Vorkommen und Verbreitung

Myrmica rubra ist in ganz Europa verbreitet – von Portugal bis Westsibirien. In Mitteleuropa zählt sie zu den häufigsten Ameisenarten überhaupt. Bevorzugte Lebensräume sind:

  • Gärten und Parks
  • Feuchte Wiesen
  • Waldränder
  • Ruderalflächen

Außerhalb Europas wurde die Art eingeschleppt und gilt in Teilen Nordamerikas als invasive Art, da sie dort heimische Ameisen verdrängen kann.

Verhalten gegenüber Menschen

Die Rote Gartenameise ist grundsätzlich harmlos, kann jedoch stichfreudig reagieren, wenn ihr Nest gestört wird. Der Stich:

  • verursacht ein brennendes Gefühl,
  • ist unangenehm,
  • gilt aber nicht als gesundheitlich gefährlich.

In Gärten tritt sie häufig auf, besonders dort, wo Blattläuse vorhanden sind. Ihr territoriales Verhalten führt dazu, dass sie Eindringlinge aktiv vertreibt.

Wo kannst du sie entdecken?

Ameisen im Garten
In naturnahen Gärten mit Stauden, Büschen und feuchten Bereichen ist Myrmica rubra fast immer präsent – oft sichtbar an Blattlauskolonien.

Nest unter Steinplatten
Typisch sind Nester unter Gehwegplatten, Steinen oder Holzstücken, wo konstante Feuchtigkeit herrscht.

Beobachtung von Schwarmflügen
An warmen Spätsommertagen lassen sich Schwarmflüge gut beobachten – ein eindrucksvolles Naturschauspiel.

FAQ

1. Ist die Rote Gartenameise gefährlich?
Nein. Der Stich ist schmerzhaft, aber medizinisch in der Regel unproblematisch. 2. Warum treten oft so viele Königinnen in einem Nest auf?
Die Art ist polygyn – mehrere Königinnen erhöhen Wachstum und Stabilität der Kolonie. 3. Wie unterscheidet man sie von anderen roten Ameisen?
Am zweigliedrigen Hüftstiel, der rötlichen Färbung und der Stichfähigkeit. 4. Kann man sie im Garten dulden?
Ja. Sie ist Teil des natürlichen Ökosystems, sollte aber nicht provoziert werden. 5. Wann sind sie am aktivsten?
In warmen, feuchten Sommermonaten.

Auf den Punkt

Die Rote Gartenameise ist ein Paradebeispiel für Anpassungsfähigkeit und soziale Organisation. Ihr Erfolg beruht auf flexibler Ernährung, polygynen Kolonien und der Fähigkeit, unterschiedlichste Lebensräume zu nutzen. Auch wenn ihr Stich unangenehm sein kann, überwiegt ihr ökologischer Nutzen deutlich. Wer sie im Garten beobachtet, blickt auf einen hoch entwickelten Insektenstaat – direkt vor der eigenen Haustür.


Diese Insekten könnten dich auch interessieren:

Markus Nilles von WildeNatur.com

🇩🇪 Wer schreibt hier:

Servus zusammen,

mein Name ist Markus und seit 2014 widme ich mich der Video- & Fotografie von Naturmotiven. Diese Leidenschaft begann während meiner zahlreichen Reisen durch Japan - von Hokkaido im Norden bis hinunter nach Okinawa im Süden. Diese Erfahrungen haben mich wieder stärker mit der Natur verbunden und auch die WildeNatur vor meiner eigenen Haustür entdecken lassen.

🇺🇸 Who is writing here:
Hello everyone,
My name is Markus, and I've been passionate about video and photography of nature scenes since 2014. This passion started during my many trips across Japan—from the northern reaches of Hokkaido all the way down to Okinawa in the south. These journeys have helped me reconnect with nature and also explore the wild beauty right outside my own front door.

https://www.wildenatur.com
Zurück
Zurück

Stubenfliege (Musca domestica)

Weiter
Weiter

Steinhummel (Bombus lapidarius)