Schilfradspinne (Larinioides cornutus)
Schilfradspinne (Larinioides cornutus)
Schilfradspinne – Larinioides cornutus im Porträt
Schilfradspinne (Larinioides cornutus): Erfahre alles über Merkmale, Lebensweise, Netzbau und Verhalten – eine häufige Radnetzspinne an Gewässern.
Eckdaten
- Größe: Weibchen ca. 9–13 mm, Männchen ca. 6–8 mm
- Netzbau: Klassisches Radnetz, meist in Schilf oder feuchten Wiesen
- Lebensweise: Nachtaktiv, Netz wird abends neu gebaut
- Lebensraum: Feuchte Uferbereiche, Schilfzonen, Feuchtwiesen
- Verbreitung: Europa, Nordamerika, Asien – häufig in Mitteleuropa
- Für Menschen harmlos
- Artname: Larinioides cornutus
- Deutscher Name: Schilfradspinne
- Familie: Radnetzspinnen (Araneidae)
- Aktivitätszeit: Frühling bis Herbst
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Aussehen
- Merkmale
- Nahrung
- Fortpflanzung und Entwicklung
- Jahreszeitliches Verhalten
- Vorkommen und Verbreitung
- Verhalten gegenüber Menschen
- Wissenswertes
- FAQ
- Auf den Punkt gebracht
Einführung
Vielleicht bist Du ihr schon mal an einem Seeufer begegnet – oder hast unbewusst ihr Netz bewundert: Die Schilfradspinne, eine Vertreterin der klassischen Radnetzspinnen, ist in vielen feuchten Lebensräumen Europas zuhause. Mit ihrem kreisrunden Netz, ihrem eher unauffälligen, aber variablen Erscheinungsbild und ihrem nächtlichen Jagdverhalten gehört sie zu den Spinnenarten, die Du nicht unbedingt bemerkst – obwohl sie durchaus häufig ist. In diesem Artikel lernst Du alles Wichtige über Larinioides cornutus: Wie sie aussieht, wie sie lebt, was sie frisst und wie sie sich fortpflanzt. Und Du erfährst, warum Du ihr mit Respekt, aber ohne Angst begegnen kannst.
Aussehen
Die Schilfradspinne ist ein eher kompakter, rundlich gebauter Spinnentyp.
- Der Körperbau ist typisch für Radnetzspinnen: kurzer, kräftiger Vorderkörper (Prosoma), ovaler, gut abgegrenzter Hinterleib (Opisthosoma).
- Die Färbung variiert stark: von grau-braun über rotbraun bis zu dunklen Tönen – je nach Individuum.
- Oft besitzt der Hinterleib hellere Flecken oder Muster, was sie optisch an andere Radnetzspinnen erinnern lässt.
- Die Beine sind eher kurz und kräftig, manchmal mit dunklen Bändern oder Schattierungen versehen.
- Die Augenanordnung folgt dem typischen Schema der Familie: zwei Reihen mit insgesamt acht Augen.
Diese Variabilität macht es nicht ganz einfach, die Schilfradspinne auf den ersten Blick zu identifizieren. Doch ihr Lebensraum und der Netztyp geben meist eindeutige Hinweise.
Merkmale
Wie viele Vertreterinnen ihrer Familie, baut die Schilfradspinne ein radförmiges Netz. Dabei zeigen sich einige Besonderheiten:
- Netzstandort: Zwischen Schilfstängeln, in niedrigen Büschen oder hohem Gras – fast immer in der Nähe von Wasser.
- Netzstruktur: Klassisches Radnetz mit relativ wenigen Radien – meist zwischen 15 und 20.
- Schlupfwinkel: Tagsüber versteckt sich die Spinne in einem Gespinst am Rand des Netzes, nach unten offen, dicht versponnen.
- Aktivität: Sie ist vor allem nachtaktiv – das Netz wird in der Dämmerung erneuert und über Nacht zur Beutejagd genutzt.
- Tarnung: Im Schlupfwinkel ist sie gut verborgen und bei Gefahr schnell im Rückzugsort verschwunden.
Diese Kombination macht sie zu einem effektiven Jäger im feuchten Grasland.
Nahrung
Wie alle Radnetzspinnen lebt Larinioides cornutus von der Beute, die sich in ihrem Netz verfängt.
Was steht auf dem Speiseplan?
- Mücken
- Fliegen
- Kleine fliegende Insekten
- Kleinstkäfer oder Springschwänze in Bodennähe
Sobald ein Beutetier im Netz landet und zappelt, überträgt sich die Vibration über die Radien. Die Spinne stürzt aus dem Versteck, packt die Beute mit den Vorderbeinen, umwickelt sie mit Seide und tötet sie durch einen Giftbiss. Danach beginnt die Verdauung: Die Spinne gibt Verdauungssaft in das Beutetier, saugt später die verflüssigten Nährstoffe auf und lässt den leeren Chitinpanzer zurück.
Fortpflanzung und Entwicklung
Die Fortpflanzung dieser Art folgt dem klassischen Radnetzspinnen-Muster mit einigen Besonderheiten.
Paarung: Findet im Frühjahr oder Herbst statt. Das Männchen nähert sich vorsichtig dem Netz des Weibchens, klopft sich mit den Beinen an und wartet oft mehrere Stunden am Netzrand oder im Versteck.
Zusammenleben: In manchen Fällen leben Männchen und Weibchen für eine Zeit gemeinsam im Versteck, was für Spinnen eher ungewöhnlich ist.
Eiablage: Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen mehrere Eikokons an – meist zwischen 3 und 5. Diese bestehen aus gelber Seide und werden im Netz oder in dessen Nähe befestigt.
Schlupf: Die Jungspinnen verlassen nach einiger Zeit den Kokon und können durch Ballonieren (sie lassen sich mit Seidenfäden vom Wind tragen) neue Lebensräume besiedeln.
Jahreszeitliches Verhalten
Die Schilfradspinne zeigt eine ausgeprägte saisonale Aktivität:
- Frühling: Die ersten adulten Tiere erscheinen, Paarungen beginnen.
- Sommer: Hochsaison – Netzbau, Jagd, Eiablage und Revierverhalten.
- Herbst: Letzte Paarungen, Rückzug in geschützte Spalten oder unter Rinde.
- Winter: Überwinterung in Schlupfwinkeln, unter Steinen, in Hohlräumen oder Pflanzenteilen.
Netze werden in der Saison meist jeden Abend neu gebaut – beschädigte oder verunreinigte Netze verlieren schnell ihre Fangkraft.
Vorkommen und Verbreitung
Die Art Larinioides cornutus hat eine holarktische Verbreitung, das heißt:
- Europa
- Nordamerika
- Asien (gemäßigte Zonen)
In Mitteleuropa findest Du sie regelmäßig an:
- Schilfgürteln von Seen und Teichen
- Feuchtwiesen
- Niedermooren
- Ufergehölzen
Trotz ihrer Häufigkeit wird sie oft übersehen – ihre nächtliche Aktivität und das Versteck am Netzrand machen sie zu einem eher unsichtbaren Jäger des Dämmerlichts.
Verhalten gegenüber Menschen
Die Schilfradspinne ist vollkommen ungefährlich für Dich.
- Stich oder Biss? Nur im absoluten Ausnahmefall.
- Giftwirkung? Das Gift wirkt nur auf kleine Insekten – für Menschen harmlos.
- Scheu? Ja – sie meidet direkten Kontakt und verkriecht sich bei Störung sofort.
- Nutzen? Sie hält Mücken und Fliegen in Schach – ein ökologisch nützliches Tier.
Wenn Du also einem ihrer Netze begegnest: Nicht zerstören! Sie leistet im Stillen ihren Beitrag zur natürlichen Insektenregulation.
Wissenswertes
Netz am Gartenteich
Abends schimmern feine Fäden im Licht, oft ist es das Radnetz einer Schilfradspinne. Du kannst es mit einer Taschenlampe gut erkennen.
Versteck entdeckt?
Wenn Du beim Schilfspaziergang ein kleines, wolliges Gespinst entdeckst, aus dem nur Beine ragen: Lass es in Ruhe. Dahinter wartet die Spinne auf die Nacht, um aktiv zu werden.
Was tun bei Spinnenphobie?
Wissen hilft gegen Angst: Die Schilfradspinne beißt nicht, krabbelt nicht auf Menschen und bleibt stets am Netz. Wenn Du sie beobachtest, ohne sie zu stören, kannst Du ein beeindruckendes Verhalten entdecken.
FAQ
1. Ist die Schilfradspinne gefährlich?
Nein. Sie ist für Menschen harmlos und flieht bei Kontakt.
2. Wie groß wird die Spinne?
Weibchen erreichen 9–13 mm, Männchen sind mit 6–8 mm kleiner.
3. Wo finde ich sie?
An feuchten Standorten – besonders in Schilfzonen, an Teich- oder Flussufern.
4. Was frisst sie?
Kleine Fluginsekten wie Mücken, Fliegen, gelegentlich Käfer oder andere Kleintiere.
5. Wann ist sie aktiv?
Von Frühling bis Herbst, vorwiegend abends und nachts.
Auf den Punkt gebracht
Die Schilfradspinne ist kein Tier, das sich aufdrängt, aber eines, das durch seine effiziente Lebensweise, seinen typischen Netzbau und die wichtige Rolle im Ökosystem Beachtung verdient. Wenn Du demnächst am Wasser unterwegs bist, lohnt sich ein genauer Blick ins Schilf. Vielleicht entdeckst Du dort eines ihrer perfekt gespannten Radnetze oder sogar die Spinne selbst im Versteck. Keine Angst: Sie tut Dir nichts, sie macht nur ihren Job und das ziemlich gut.
